Interview mit Regula Furrer Giezendanner, kathbern

"Wir tragen Verantwortung im Umgang mit Geld"

Kirchliche Organisationen stehen vor der Herausforderung ihre Werte auch bei der Verwaltung von Geld und bei Investitionen einzubringen. Die Verwalterin Regula Furrer Giezendanner spricht im Interview über die Handlungsmöglichkeiten.

Interview: Susan Glättli, eco-text.ch


Warum sollten kirchliche Organisationen ihre Geldanlagen bzw. die Anlagepraxis ihrer Bank und Pensionskasse genauer anschauen? Vermag dieser Effort die Schöpfung zu bewahren und Frieden zu stiften?

Wir tragen Verantwortung im Umgang mit Geld. Wir wollen nicht schaden: Dieser Gedanke ist zutiefst in der christlichen Lehre verankert. Wenn wir glauben, müssen wir uns also engagieren. Beim Geld und den Anlagen genauer hinzuschauen und zu prüfen, ob wir nicht unseren christlichen Werten zuwiderhandeln, ist ein wichtiger Entscheid. Ich bin eine sehr politische Person, ich kann gar nicht anders als bei Entscheidungen zu Geldanlagen diese Werte einzubringen.

Über welche Kriterien lassen sich diese Werte umsetzen und wer tut dies?

Es spielt keine Rolle auf welcher Ebene diskutiert wird - auch die Finanzkommission des Bistums Basel hat sich erst kürzlich mit Anlagekriterien auseinandergesetzt: Im kirchlichen Alltag sind wir uns ziemlich einig, dass wir keine Unternehmen unterstützen wollen, die Waffen produzieren,  die Umwelt und die Lebensgrundlage der Menschen zerstören oder Menschenrechte missachten.


Die röm.-kath. Landeskirche Kanton Bern ist bei der Pensionskasse Abendrot angeschlossen – warum?

Abendrot wurde 1985 von «Spinnern» gegründet, sie wollten ökologische, sozial verantwortbare Anlagen tätigen, nach dem Grundsatz «nicht schaden». Zudem haben sie von Anfang an mit dem Beitragsprimat gearbeitet. Sie bewegen sich darum absolut auf unserer Linie, sozial, ökologisch und ethisch. Ausserdem sind sie eine grosse, solide Pensionskasse geworden – ein Unternehmen, welches zu uns passt.

Welche Handlungsmöglichkeiten haben kirchliche Organisationen in Bezug auf Geldanlagen?


Bei den Pensionskassen bleibt kleinen Akteuren tatsächlich nur die Wahl einer Kasse, die von den Werten und Leistungen zu ihnen passt. Bei den Anlagen gibt es mehr Möglichkeiten: Es gibt viele nachhaltige Fonds und Aktien von verantwortungsvoll arbeitenden Unternehmen. Doch es mangelt auch an Transparenz: Die Anbieter sind so breit abgestützt, dass indirekt immer noch Anlagen in nicht-nachhaltige Geschäfte dabei sind. Nehmen wir einmal Nestlé, da gibt es immer Geschäftsbereiche, die sind völlig in Ordnung, aber auch solche, die gar nicht vertretbar sind. Wähle ich also einen Fonds, der zu einem kleinen Teil auch in Nestle investiert ist, oder schliesse ich den aus? Wenn man ganz ehrlich ist, kann man nicht völlig ausschliessen, dass irgend an einem Punkt die eigenen Grundsätze nicht eingehalten sind. Trotzdem ist es wichtig, dass man sehr umsichtig auswählt. Kirchgemeinden müssen sich Orientierung schaffen: Welche Werte, welche gesellschaftlichen Gruppen oder Branchen vertritt diese Kasse? Handelt die Kasse in unserem Sinn? Und es braucht bei den Anlagen einen grundsätzlichen Entscheid: Was ist mir wichtiger? Eine hohe Rendite oder ein gutes Gewissen? Ich glaube aus der christlichen Lehre heraus ist es klar, dass das ethische Handeln zuerst kommen muss.

 

Regula Furrer Giezendanner ist seit 2014 Verwalterin der röm.- kath. Landeskirche des Kantons Bern. Zuvor war sie viele Jahre im Management von Non-Profit-Organisationen tätig.

 

kathbern.ch

Veranstaltung Kirche und nachhaltiges Investment